Idealhumanismus
Menschlichkeit

Menschlichkeit

Menschlichkeit definiert wohl jeder ein wenig anders, aber die meisten Menschen haben einen Gerechtigkeitssinn darüber, was für sie menschlich oder unmenschlich ist und bemühen sich, nach ihrem eigenen Ermessen menschlich zu handeln.

Die These des Idealhumanismus ist, dass unmenschliche Handlungen dort auftreten, wo Konflikte zwischen unterschiedlichen Idealen vorliegen. Das Ziel für ein Erfüllen der eigenen Ideale sollte also ein maximaler objektiver Grad an Menschlichkeit sein.

Wenn also die Umsetzung der eigenen Ideale zu Unmenschlichkeit führen, so gilt es diese Ideale so anzupassen, dass für alle zu betrachtenden Menschen ein möglichst geringer Eindruck für Unmenschlichkeit vorliegt.

Durch diese Ansichtsweise entsteht ein imaginärer Markt mit den Parametern Menschlichkeit und Erfüllung der jeweiligen Ideale, welcher sich in der Theorie zur bestmöglichen Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens einpendeln.

Wie bei einem normalen Markt erfolgt dies unter der Prämisse, dass allen Marktteilnehmern alle notwendigen Informationen zugrunde liegen. Dies bedeutet, dass möglichst viele Konflikte von der Gesellschaft erkannt, akzeptiert und minimiert werden müssen. Dies geschieht schon in vielen Fällen unterbewusst: wenn ein Ehepartner beispielsweise am Wochenende ins Kino und der andere Sport machen will, so werden entweder beide ihren Wunsch alleine durchsetzen oder einen Kompromiss (z.B. erst Sport und dann ins Kino) finden, um eine möglichst hohe Zufriedenheit (in diesem Fall Menschlichkeit) zu erreichen. Zwingt ein Partner dem anderen seinen Wunsch auf und erkennt den Interessenskonflikt nicht, so entsteht bei einem Partner eine Unzufriedenheit, welche als Unmenschlichkeit auf Kosten des Ideals des anderen durchgesetzt wird. Letzten Endes liegt also im Falle eines Konfliktes eine Abwägung vor: Nutzenmaximierung zur Erreichung der eigenen Ideale oder Menschlichkeit im Sinne von Harmonie.

Daraus entsteht die philosophische Frage, ob wir uns denn eben nicht erst dann als Mensch bezeichnen dürfen, wenn wir lernen unsere tierischen, instinktiven Bedürfnisse zugunsten von Menschlichkeit hintenanzustellen. Hierbei handelt es sich jedoch immer um einen Kompromiss, denn ein stetiges Nachgeben zugunsten der Mitmenschen hätte eine permanente Unmenschlichkeit gegen sich selbst zur Folge. Da es sich beim Idealhumanismus aber um eine gesellschaftliche Weltanschauung handelt, so bietet diese Lebensweise eine Optimierung der gemeinschaftlichen Beziehungen, welche im Kontrast stehen sowohl zu einer materialistisch-libertären Einstellung als auch zu einer ebenfalls materialistisch-sozialistischen Ansichtsweise, sondern eine gesunde Ausgewogenheit auf einer logischen Grundlage darstellt.

Durch die Abkapselung vom Materialismus durch den Idealhumanismus ist es also erstmals möglich wirtschaftliche Synergien im Sinne des Liberalismus bestmöglich zu nutzen und dennoch eine materiell nicht bewertbare Stärkung des Sozialwesens zu erreichen. In einem konkreten Beispiel wird durch den Idealhumanismus offenkundig, dass Lohndumping durch billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland zwar wirtschaftlich effizient, aber unmenschlich ist, da die Arbeitskräfte in der Regel ihre Heimat nur unter Zwang verlassen. Eine Konfliktminimierung zwischen verschiedenen Interessen im Sinne des Idealhumanismus würde vorliegen, wenn beispielsweise ein Warentauschgeschäft zwischen zwei Ländern die jeweilig billigere Produktionsweise nutzt, d.h. auf beiden Seiten Wohlstand schafft, die Menschen jedoch nicht entwurzelt und durch eine ethnische Mischgesellschaft weitere Konflikte geschafft werden.

Auf diese Weise kann also mit dieser Lebenseinstellung, insofern sie von der zu betrachtenden Gesellschaft akzeptiert wird das ideale Gesellschaftsbild unter Beachtung aller Interessen gedeihen.

Wer kritisiert, dass ein gesellschaftliches Bewusstsein für gegenseitige Interessen und die Harmonisierung dieser utopisch ist, dem sei gesagt, dass ein solches Erkennen und Erfragen der gesellschaftlichen Rolle in Japan bereits gängige Praxis ist: Mit dem Ikigai(„Lebenssinn“)-Konzept sucht sich jeder Heranwachsende dort eine persönliche Antwort auf vier Lebensfragen, welche da lauten:

  • Was liebst du?
  • Was kannst du am besten?
  • Was braucht die Welt von dir bzw. was kannst du der Welt geben?
  • Wofür kannst du dich bezahlen lassen?

Durch Beantwortung dieser vier Fragen bekommt also jeder Japaner bereits ein Bewusstsein, welche Rolle er oder sie in der Gesellschaft spielt. Und da der Mensch so sehr mit dieser Erde verbunden ist, lassen sich nicht nur gesellschaftliche Fragen mit dem Ziel der Menschlichkeit beantworten. Denn Umweltverschmutzung beispielsweise kann genauso als „unmenschlich“ betrachtet werden, da sie uns letzten Endes schadet. So können mit der Frage nach der Menschlichkeit in Verbindung mit den eigenen Idealen alle Belange des Lebens in Betracht gezogen und beantwortet werden.

Warum also nicht das eigene Leben in Einklang mit unserer Umgebung bringen, so, wie es die Natur für jedes Lebewesen vorgesehen hat?